Nazis zum Anschauen

„Wenn Sie jetzt aus dem Fenster sehen, können Sie erkennen wie Nazis heutzutage auftreten. Am äußerlichen Erscheinungsbild erkennt man sie kaum noch, aber das heißt nicht, dass sie weniger gefährlich sind“, erklärte Michael Weiss vom Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin e.V.

Am vergangenen Samstag veranstaltete die Friedrich- Ebert-Stiftung (FES) im Rathenower Kulturzentrum (KuZ) ein Seminar zum Thema „Erlebniswelt Rechtsextremismus: Musik, Kleidung, Symbole“. Einige wenige (Neo-) Nazis hatten dies zum Anlass genommen, um eine - wie sie es nannten – „Mahnwache gegen Ausgrenzung“ am Rande des Märkischen Platzes zu errichten.

Doch vorerst lauschten mehr als 40 interessierte BürgerInnen, Stadtverordnete, Mitglieder des Aktionsbündnisse „Rathenow zeigt Flagge“ und der Landtagspräsident Gunther Fritsch den Redebeiträgen der Referenten. Zu Beginn berichtete Frauke Postel vom Mobilen Beratungsteam (MBT) aus Potsdam von den rechtsextremen Strukturen in Rathenow und Umgebung.

„In Rathenow gibt es feste und vielfältige Strukturen der rechtsextremistischen Szene“, so Postel „zum Beispiel wird der NPD Kreisverband Havel – Nuthe von Rathenow aus geleitet.“ Des Weiteren verwies sie auf die Kommunalwahlen am 28. September 2008 und auf den bevorstehenden Wahlkampf: „Niemand von der NPD gehört auf ein Podium, da sich die NPD klar gegen die Menschenrechte und gegen unser Grundgesetz richtet. Diesen hassgeprägten Positionen darf kein Raumgeboten werden“, erklärte die Referentin vom MBT.

Frauke Postel und ihr Kollege Thomas Weidlich beraten und unterstützen Menschen sowie Initiativen in Potsdam- Mittelmark, Havelland sowie in den kreisfreien Städten Brandenburg / Havel und Potsdam zu dem Thema Umgang mit Rechtsextremismus.

Im Anschluss an diesen regionalen Bezug der FES-Veranstaltung referierte Michael Weiss über den Lifestyle rechtsorientierter Jugendlicher. Durch bestimmte Symbole und Markenklamotten bauen sich rechte Jugendliche eine eigene Lebenswelt auf. Durch die Kombination bestimmter Symbole, beispielsweise der heidnisch- germanische Thorshammer in einem Zahnrad, entsteht ein hoher Wiedererkennungswert unter den (Neo-) Nazis.

Auch Jan Buschbom vom Violence Prevention Network e.V. beschäftigt sich mit Identifikationsmöglichkeiten Jugendlicher mit dem Rechtsextremismus. Besonders von Musik würden Jugendliche angelockt werden. Aus diesem Grund verteilte die NPD im Jahre 2005 kostenlos die „Schulhof CD – Der Schrecken aller linken Spießer und Pauker!“ in Schulen. „Rechte Musik ist mit allen Musikstilen kompatibel“, so Buschbom „von Hip Hop über Schlager bis hin zu Hardcore, was Nazis jedoch als Hatecore bezeichnen.“ Über Musik wird die rechte Ideologie durch brutale Textinhalte wieder gegeben. Nicht selten geht es dabei um die Glorifizierung des dritten Reiches und die Macht der über alles stehenden weißen Rasse.

Auch in Rathenow sind zwei rechtsextreme Bands bekannt: „Opas Enkel“und „Silence II“ setzen sich aus Mitgliedern der freien Kameradschaften zusammen. Frauke Postel verlaß ein Textauszug aus dem Lied „Tötet ihr Kinder“ der Band „Silence II“: „Zieht alle voran in die heilige Schlacht und tötet Millionen Juden in der Nacht!“

Die Veranstaltung wurde kurzzeitig vom Aktionsbündnis „Rathenowzeigt Flagge“ unterbrochen. Der Vorstand des Bündnisses bat dieTeilnehmer des Seminars gemeinsam mit ihnen hinunter zu gehen, um den Rechten zu zeigen, dass man sich nicht verstecke. Im Vorfeld hatten die Mitglieder des Kinder- und Jugendparlaments Plakate mit Aufschriften wie „Die Würde jedes Menschen ist unantastbar“ und „Auf Eure Parolen fallen wir nicht rein“ in den Fenstern des KuZ aufgehangen. Alle Seminarsteilnehmer, das Aktionsbündnis und die Antifa Westhavelland positionierten sich vor dem KuZ, um friedlich gegen die „Mahnwache gegen Ausgrenzung“ der (Neo-) Nazis zu demonstrieren.

„Mit solchen Aktionen grenzen sich die Rechten selber aus, um von irgendwem Mitleid zu bekommen“, meinte Susanne Meier vom Vorstand des Aktionsbündnisses. Es sei eine ausdruckslose Protestreaktion auf eine Aktion des Bündnisses und der FES gewesen. Die NPD hatte geplant, dass sich viel mehr Parteimitglieder an der Mahnwache beteiligen, aber obwohl die Nationalen ständig Gehorsam propagieren, scheinen sie es mit der eigenen Disziplin doch nicht so ernst zu nehmen.

Prof. Dr. Richard Stöss, Professor an der Freien Universität Berlin, formulierte es einmal so: „Rechtsextremismus ist eine auf Verfolgungswahn und Größenwahn gegründete Ideologie.“ Wieder einmal wurde bewiesen, dass er mit diesem Ausspruch Recht hat.

 

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