TRIAS Berlin

Neue Wege der multiprofessionellen Kooperation in der Extremismusprävention

TRIAS Berlin schlägt für die Extremismusprävention die Brücke zwischen Pädagogik, sozialer Arbeit und den psychologisch-therapeutisch tätigen Berufsgruppen, um durch Vernetzung das Angebot von interdisziplinär geprägten Maßnahmen der Extremismusprävention bereitzustellen. Im Rahmen des Modell- und Kooperationsprojekts zwischen Violence Prevention Network und der Fachstelle Extremismus und Psychologie wird erprobt, wie psychologische Psychotherapeut*innen als Expert*innen für “mental health” in die Extremismusprävention einbezogen werden können. Die Orientierung dafür bietet eine Konsiliar- und Liaisontätigkeit, wie sie auch in anderen Arbeitsfeldern etabliert ist.

Bestandteile des Berliner Modells

Kontakt- und Anlaufstelle
Violence Prevention Network richtet eine psychotherapeutische Kontakt- und Anlaufstelle ein, welche den Sozialpädagog*innen bei Bedarf konsiliarische Fallhilfen anbietet. Zudem wird das Arbeitsfeld einer psychotherapeutisch unterstützten Distanzierungs- und Ausstiegshilfe sowie Familienberatung entwickelt. Diese hält ein Sprechstundenangebot vor und führt Akuthilfen oder Kurzzeittherapien durch. Bei Bedarf findet eine Vermittlung in länger angelegte Psychotherapien statt.

Multiprofessionelles Netzwerk
Die Kontakt- und Anlaufstelle arbeitet mit einem Netzwerk ambulant und stationär tätiger Psychotherapeut*innen zusammen, das bedarfsorientiert weiter ausgebaut wird. Kolleg*innen aus dem Netzwerk begleiten die Arbeit, indem sie an den Qualitätsstandards mitwirken, in berufsrechtlichen Fragen beraten, Intervisions- und Supervisionsmöglichkeiten anbieten sowie bei der Vermittlung in Psychotherapien helfen, z. B. durch Kontakte zu psychotherapeutischen Instituten und ihren Ambulanzen.

Patient*innen mit Radikalisierungsdynamiken
Die Mitarbeitenden im Projekt richten zudem eine Spezialsprechstunde für Psychotherapeut*innen ein, wenn diese bei ihren Patient*innen Radikalisierungsdynamiken wahrnehmen. Durch dieses Angebot wird ein Wissens- und Erfahrungstransfer möglich, der auch interdiszplinäre Aspekte einschließt. TRIAS erarbeitet Themenpapiere zu psychologischen und psychoanalytischen Grundlagen von Radikalisierung und Extremismus bzw. Aspekten der Tertiärprävention. Vom geplanten Vortragsangebot sollen neben psychotherapeutischen Instituten und Fachgesellschaften auch Akteur*innen aus der Präventionslandschaft und den Regelstrukturen profitieren können.

Fachaustausch
TRIAS bringt sich zudem in den interdisziplinären und wissenschaftlichen Fachaustausch mit Akteur*innen der Extremismusprävention und Deradikalisierung ein. Dort vertritt das Projekt sein Konzept und stellt Fachinformationen sowie Erfahrungen zur Verfügung.

Junge Menschen sitzen in Stuhlkreis zusammen
© Fotolia.com/Photographee.eu

Gesellschaftliche Notwendigkeit

Durch TRIAS wird das bisher vor allem sozialpädagogisch geprägte Unterstützungsangebot für distanzierungs- und ausstiegsbereite Personen durch einen psychologisch-psychotherapeutischen Ansatz erweitert. Anliegen von TRIAS ist es, den Prozess der Deradikalisierung und Rehabilitation durch den Zugang zu psychotherapeutischer Beratung und Behandlung zu unterstützen. An das Projekt können sich auch Familienangehörige radikalisierter junger Menschen wenden. Zudem wird auf die Notwendigkeit reagiert, für die Rehabilitation von Rückkehrer*innen mit Kindern aus den IS-Gebieten ein multiprofessionelles Angebot zu unterbreiten. Denn für ein strukturiertes Rückkehrmanagement braucht es lokale Anlaufstellen bei Psychotherapeut*innen, die fachkundige Behandlungen von traumatisierten bzw. psychisch stark belasteten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen durchführen können. Diese werden durch TRIAS in ein kollegiales Netzwerk einbezogen und erhalten bei Bedarf fachliche Beratung. TRIAS ist zudem mit dem Projekt „NEXUS – Psychologisch-therapeutisches Netzwerk Justiz und Extremismus“ verknüpft, welches mit Berliner Vollzugsanstalten und der Bewährungshilfe kooperiert.

Kontakt

Violence Prevention Network gGmbH
Alt-Reinickendorf 25
13407 Berlin

030 917 05 464
Das Projekt TRIAS Berlin wird gefördert durch die Landeskommission Berlin gegen Gewalt im Rahmen des Berliner Landesprogramms Radikalisierungsprävention. Das Teilprojekt TRIAS Community wird gefördert durch das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat.