Internationale Fachtagung Leipzig 2025

Die zweitägige Fachtagung „Online erkannt – offline begleitet: Internationale Impulse für Online/Offline-Verweisstrukturen in der Extremismusprävention“ fand am 10. und 11. November 2025 in der Alten Essig-Manufactur in Leipzig statt. Sie wurde von der Beratungsstelle Sachsen in Kooperation mit dem Landesdemokratiezentrum Sachsen veranstaltet. Internationale und nationale Expert*innen aus Beratungspraxis, Wissenschaft, Behörden und Technologieunternehmen diskutierten aktuelle weltweite Pilotprojekte zu Verweisstrukturen im Kontext der Prävention von Online-Radikalisierung.

Tag 1 – Ostdeutsche und internationale Perspektiven

Der erste Tag wurde mit einer Videogrußbotschaft von Petra Köpping (Sächsische Staatsministerin für Soziales, Gesundheit und Gesellschaftlichen Zusammenhalt) eröffnet. Judy Korn (Mitbegründerin und Co-Geschäftsführerin, Violence Prevention Network) führte in die thematischen Schwerpunkte der Fachtagung ein. Die Moderation der Veranstaltung lag bei Yolanda Rother.

Im ersten Panel „Zwischen Analyse und Begleitung: Herausforderungen und Lösungswege im Umgang mit Online-Radikalisierung in Deutschland“ diskutierten Svetla Koynova (Leiterin Fachbereich Wissenschaft, Violence Prevention Network), Fabian Starosta (LPR, Aussteigerprogramm Sachsen), Hanna Börgmann (Research and Education Manager, Institute for Strategic Dialogue – ISD Germany), Maik Fielitz (Leiter Forschungsbereich Digitale Konflikte, Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft – IDZ Jena) und Wenke Krestin (Leiterin Beratungsstelle Sachsen, Violence Prevention Network) wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen aus der Beratungs- und Distanzierungsarbeit in Sachsen und Ostdeutschland.

Das zweite Panel „Stakeholder in Online/Offline-Verweisstrukturen und Best Practices in Pilotprojekten“ wurde von Angus Lindsay (Department of Internal Affairs, Digital Violent Extremism Team, Neuseeland), George Weiss (Founder & CEO, La Radio Benevolencija, Niederlande), Georgia Wake (Head of Industry Engagement, Counter-Terrorism Directorate, Home Office, Vereinigtes Königreich) und Svetla Koynova (Leiterin Fachbereich Wissenschaft, Violence Prevention Network) bestritten. Sie diskutierten Anforderungen und Erfolgsfaktoren für zukünftige Verweisstrukturen.

Im Anschluss stellte Jonathan Russell (Leiter Fachbereich International, Violence Prevention Network) mit Diversions einen globalen Online/Offline-Verweismechanismus vor, der langfristige Offline-Unterstützung für Personen ermöglicht, deren Online-Verhalten auf eine mögliche Radikalisierungsgefährdung hinweist. Aufbauend auf diesem Input diskutierten die Teilnehmenden die praktische Übertragbarkeit internationaler Verweisungsmechanismen auf den deutschen Kontext.

Zum Abschluss des ersten Tages widmete sich das dritte Panel der „Einbindung von Tech-Unternehmen in der Tertiärprävention“. Jonathan Russell (Leiter Fachbereich International, Violence Prevention Network), Nayanka Paquete Perdigao (Public Policy Manager, TikTok) und Prashant Waikar (Policy Manager, Meta) diskutierten Strategien zur Prävention extremistischer Inhalte auf Plattformen sowie Kooperationsmöglichkeiten zwischen Technologieunternehmen und Beratungs- und Präventionsakteur*innen.

Tag 2 – Wissenschaft und Praxis

Der zweite Tag begann mit einem wissenschaftlichen Input von Dr. Nader Hotait (Postdoktorand, DeZIM-Institut und Humboldt-Universität zu Berlin), der aktuelle empirische Befunde zu Dynamiken der Online-Radikalisierung vorstellte und deren Bedeutung für Präventions- und Beratungsarbeit einordnete.

Im anschließenden Workshop-Block „Aus Fehlern lernen: Die beste Lösung“ arbeiteten Teilnehmende anhand realer Fallbeispiele aus der deutschen Beratungspraxis. Die Workshops wurden moderiert von Navid Wali, Niklas Brinkmöller, Wenke Krestin (Violence Prevention Network) sowie Rosanna Rooke, Dr. Sian Watson und Rachel Handley (CT-ARC, Vereinigtes Königreich).

Im Folgenden stellte Alexander Sievers (Programme Director INDEX und Senior Practitioner, Violence Prevention Network) das Netzwerk INDEX – International Network for Disengagement and Exit vor. INDEX setzt Qualitätsstandards für Distanzierungsarbeit und stärkt den fachlichen Austausch zwischen Praktiker*innen weltweit.

Im zweiten Workshop-Block Praktiker*innen in Online/Offline-Verweisstrukturen: Bedürfnisse visualisieren“ standen digitale Kompetenzentwicklung, Frühwarnsysteme, therapeutische Ansätze für zunehmend onlinebasierte Klientel sowie KI-gestützte Tools im Fokus. Die Workshops wurden geleitet von Dr. Kevin Blasiak (Principal Investigator, TU Wien), Julia Nowecki (Director Violence Prevention Network Academy) gemeinsam mit Jacquelyn Muir (Head of Regulatory, Selwyn District Council, Neuseeland) sowie Alexander Sievers und Katharina Meredith Sengfelder (Founder Exit Nexus/PhD Candidate, Georgia State University, USA).

Zum Abschluss fasste Wenke Krestin (Leiterin Beratungsstelle Sachsen, Violence Prevention Network) die zentralen Erkenntnisse der Konferenz zusammen.

Über die Fachtagung hinaus – Wie geht es weiter?

Nachhaltige Prävention gelingt nur durch Vernetzung von Wissenschaft, Praxis und Technologieplattformen. Violence Prevention Network arbeitet zu diesem Zweck an einem weltweiten Netzwerk von Verweisstrukturen: DIVERSIONS – Combatting terrorist use of the internet: online prevention and offline integration (in englischer Sprache).

Sind Sie Berater*in? Dann wirken Sie gern bei INDEX – International Network for Disengagement and Exit, dem internationalen Netzwerk von Praktiker*innen, mit. Hier werden Qualitätsstandards für die Distanzierungsarbeit gesetzt und der Austausch von Expertise ermöglicht.

Kontakt

BERATUNGSSTELLE Sachsen
Projektleitung: Wenke Krestin
Stieglitzstr. 84
04229 Leipzig

+49 341 97 85 47 80
Kontakt zu Fragen rund um INDEX

Alexander Sievers
Programme Director
INDEX - International Network for Disengagement and Exit
Alt-Reinickendorf 25
D - 13407 Berlin