Intervention

Welche Erfahrungen muss ein – oft junger – Mensch machen, der sich als Opfer und das System als Feind versteht? Welche Kompetenzen bestärken einen Menschen darin, nicht den simplen Erklärungsmustern und Lösungsansätzen extremistischer Strömungen jeglicher Couleur auf den Leim zu gehen? Ganz gleich, ob rechtsextremer oder religiös begründeter Extremismus, oft sind es wiederkehrende und identifizierbare Muster, – Erfahrungen sozialer und familiärer Desintegration und Enttäuschungen, das Gefühl fehlender Akzeptanz durch die Mehrheitsgesellschaft und problematische Gruppendynamiken – die ein Abgleiten in den Extremismus begünstigen oder das erhöhte Risiko einer Gewalt- und Radikalisierungskarriere bergen.

© Stock.com/shironosov

Kontextspezifische Interventionsangebote für ideologisch motivierte Straftäter

Wo Konflikte zu eskalieren drohen oder sich ein bevorstehender Radikalisierungsprozess andeutet, bedarf es situations- und kontextspezifischer, professioneller Interventionsmaßnahmen. Ergänzend zu Beratungs- und Betreuungsangeboten für Angehörige extremistisch gefährdeter Jugendlicher bietet Violence Prevention Network spezifisch auf den Justizvollzug zugeschnittene Interventionsangebote. Die Intervention beruht auf mehrmonatigen Gruppentrainings für extremistisch bzw. ideologisch motivierte Gewalttäter*innen. Die Maßnahmen kombinieren politische Bildungsarbeit, Anti-Gewalt-Training sowie die Aufarbeitung/kritische Reflexion von Tat, Rechtfertigungsmuster und Motiven. Eine erfolgreiche Interventionsmaßnahme löst nicht nur den aktuellen Konflikt, sondern vermittelt den Beteiligten oft bisher ungekannte Kommunikations-, Beziehungs- und Konfliktlösungsressourcen zur eigenverantwortlichen, gewalt- und vorurteilsfreien Teilhabe an der Gesellschaft. Seit 2001 haben über 1300 jugendliche, extremistisch gefährdete Gewalttäter das evaluierte Programm absolviert, dessen ursprüngliche Zielgruppe – rechtsextremistische Gewaltstraftäter – in Folge einer umfassenden Erweiterung 2006 zunächst auf islamistisch gefährdete Jugendliche und 2011 auf Straftäter mit terroristischem Hintergrund im Erwachsenenvollzug ausgeweitet wurde. 2015 beauftragte das BMFSJ Violence Prevention Network mit der Entwicklung von Strukturmaßnahmen zur Deradikalisierung im Strafvollzug. In Zusammenarbeit mit den kooperierenden Trägern koordiniert Violence Prevention Network die gemeinsame Entwicklung bundesweiter Standards und Qualitätskriterien für Radikalisierungsprävention und Deradikalisierung in Strafvollzug und Bewährungshilfe.

Verantwortungspädagogik®

Das pädagogische Konzept beruht auf einem explizit nicht-konfrontativen Ansatz. Entscheidend sind dabei Akzeptanz und Demütigungsfreiheit. Der Ansatz basiert darauf, bestimmte Handlungen zu verstehen, ohne Verständnis für sie aufbringen zu müssen, und bestimmte Entscheidungen zu erklären, ohne sie zu rechtfertigen. Der verantwortungspädagogische Ansatz beschränkt sich nicht allein auf die Arbeit mit bestimmten „Zielpersonen“, sondern bezieht Umfeld und Angehörige mit ein, und wirkt, im Fall der Präventionsangebote, unmittelbar in Alltag, Freizeit und Arbeit hinein. Die Verantwortungspädagogik® versteht Verhaltensveränderungen nicht als unmittelbare Folge persönlicher Entscheidungen, sondern abhängig von Kontext und Situation und als auszuhandelnden Prozess. Zentral ist in diesem Zusammenhang das Beziehungsangebot. Damit dieses Beziehungsangebot in einer Verhaltensveränderung resultieren kann, beinhaltet das curriculare Training Elemente aus lernpsychologischen Ansätzen, Kognitivismus und humanistischer Psychologie.

Projekte im Themenfeld Intervention setzen wir in folgenden Bundesländern um: