Rund 2500 ideologisierte jugendliche Straftäter werden jährlich in Deutschland wegen schwerer und schwerster Gewalttaten auffällig, ein Großteil nach einer Haftstrafe erneut. Hintergrund und Motiv: Gewaltbereitschaft, gepaart mit Rechtsextremismus oder religiös begründetem Extremismus, Fremdenfeindlichkeit und einem Menschenbild, das demokratischen und humanistischen Werten widerspricht.

Mit dem Programm „Verantwortung übernehmen – Abschied von Hass und Gewalt“ haben wir einen nicht-konfrontativen Ansatz zur Deradikalisierung junger Menschen in Haft entwickelt. Es ist das einzige über Jahre evaluierte und erwiesenermaßen erfolgreiche Trainingsprogramm bundesweit, das mit ideologisch motivierten jugendlichen Gewalttätern arbeitet und ein wirksames Konzept gegen Gewalt und Extremismus darstellt. Begonnen 2001 als Pilotprojekt in Brandenburg, wurde das Programm, das auf dem Konzept der Verantwortungspädagogik® basiert, 2007 auf die Zielgruppe der islamistisch und neosalafistisch orientierten Jugendlichen erweitert. Evaluationsergebnisse belegen eine deutliche Reduzierung der Re-Inhaftierungsquote.

Das Deradikalisierungs-Programm richtet sich an wiederholt auffällige, jugendliche Gewalttäter, die sich mit ihren demokratiedistanzierten Einstellungen zunehmend einem gesellschaftlichen Diskurs verschlossen haben. Soziale und familiäre Desintegrations- und Enttäuschungserfahrungen – einhergehend mit geringen Akzeptanzgefühlen und problematischen Cliquendynamiken - führen bei ihnen zu einer erschwerten Identitätsbildung. Bei Fehlen einer eigenständigen Identität besteht jedoch die Gefahr der „Radikalisierung von Restidentitäten“. Dies kann dazu führen, dass junge Menschen sich extremistische, fundamentalistische oder traditionalistische Einstellungen zu eigen machen, sich bei ihnen demokratiedistanzierte und gewaltaffine Einstellungen entwickeln und sie einem „misslungenen Selbstheilungsprozess“, d.h. der Verfestigung ihrer Gewalt- und Radikalisierungskarriere, unterliegen.

Die Abkehr von Hass, Gewaltbereitschaft und extremistischen Neigungen ist ein langwieriger Lernprozess, denn ideologisch motivierte Denkmuster und gewaltbereites Verhalten sind tief in der Persönlichkeit der Jugendlichen verankert. Für die Ablösung brauchen sie Zeit, Unterstützung und vertrauensvolle Beziehungen, um für sich selbst Verantwortung übernehmen zu können. Aufbauend auf ihren persönlichen Stärken und den sich entwickelnden Kommunikations-, Beziehungs- und Konfliktlösungsressourcen beginnen die Jugendlichen im Trainingsverlauf eigenverantwortlich mit einer positiven Lebensgestaltung.

Diese Eigenleistung können junge Menschen nur durch unterstützende Maßnahmen erreichen. Ohne präventive Angebote im Vollzug werden gefährdete jungen Menschen informellen rechtsextremen oder neosalafistischen Netzwerken in den Vollzugsanstalten überlassen und somit ihre Integration in die gesellschaftliche Mitte verhindert.

Das Programm "Verantwortung übernehmen - Abschied von Hass und Gewalt" findet zur Zeit in den Bundesländern Berlin, Brandenburg, Hessen, Niedersachsen und Sachsen statt.

 

Mehr zu den Trainingsinhalten finden Sie hier

 

Nach der Entlassung haben die Teilnehmer die Möglichkeit, bis zu ein Jahr lang ein Stabilisierungscoaching in Anspruch zu nehmen. Mehr dazu erfahren Sie hier.

 

Hier finden Sie unsere Broschüren zum Download:

 

Violence Prevention Network wird mit seiner Deradikalisierungsarbeit im Strafvollzug als bundeszentraler Träger im Rahmen der Strukturförderung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

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Kontakt

Deradikalisierung im Strafvollzug

Alt-Moabit 73
10555 Berlin

Tel.: 030 91 70 54 64
Email: thomas.muecke[at]violence-prevention-network.de

Projektleitung: Thomas Mücke

Die eigene Biographie verstehen

Hass auf andere ist oft eng mit der eigenen Geschichte verknüpft. Erst, wenn ein Trainingsteilnehmer den Zusammenhang zwischen seiner Biographie, seinen Einstellungen und seinem Handeln versteht, kann ein Veränderungsprozess einsetzen.

Gewalt als roter Faden >>

Experten über Violence Prevention Network

„Mit Blick auf das überzeugende Konzept, die intensive Betreuung während und nach der Haft sowie die flankierenden Angebote an das Gefängnispersonal, die Angehörigen bzw. Bezugspersonen, ist (...) nur zu wünschen, dass die „Verantwortungspädagogik“ in großem Maßstab und auf Dauer Einzug in die Jugendhaftanstalten findet.“

Prof. Dr. Roland Roth, Hochschule Magdeburg-Stendal

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Cornelia Lotthammer, Paul Merker

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Liebe MedienvertreterInnen, wir stehen gern für Interviews und Hintergrundgespräche zur Verfügung. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir ohne Ausnahme keine Kontakte zu unseren KlientInnen und deren Angehörigen herstellen. 

Früher hätten wir uns kaputt geschlagen

Dimas hatte alle Voraussetzungen. Sein Leben hätte auch richtig schief gehen können.

Dimas' Geschichte>>

Story_Dimas

Vom Neonazi zum Co-Trainer

Story_ReneRené war einer der ersten Trainingsteilnehmer. Er hat den Absprung geschafft.

zu Renés Geschichte >>

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Titelbild XENOS Broschüre

Die Broschüre zum Download finden Sie hier.

Studie zur Legalbewährung

Untersuchung zur Legalbewährung der Teilnehmer von Violence Prevention Network an Deradikalisierungs-Trainings im Jugendstrafvollzug (Prof. Dr. Helmut Lukas, Hrsg. Deutsches Forum Kriminalprävention 2012) zum Download >>

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